Hall of Fame - Der LASK in der Halle Geschichte der Hallenfußballturniere 1975 bis 2010

 

Abschnitt 4 – Aufwärmen für das Goldene Jahr 1998  
Turniere 1996 und 1997
 
1996 – Die unvollendete Wende
 
Freitag, 12. Jänner 1996, 18.00 Uhr – Menschenschlangen vor den Kassen zur Linzer Stadt- und Sporthalle. Dass nach mehr als drei Jahren in Linz wieder Hallenfußball gespielt werden sollte, elektrisierte die Stadt. 3000 Fans am ersten Tag, und bei 3300 am zweiten Spieltag wurde das „Ausverkauft“-Schild angebracht.

Mit neuem Hauptsponsor (PEM Hallenbau und -sanierung, Mauthausen) setzte die LIVA nun nicht mehr auf große internationale Namen, sondern auf die Beliebtheit der oberösterreichischen Vereine und wohl auch ein wenig auf ihre Rivalitäten untereinander. Als einziger nicht-oberösterreichischer Klub war die Austria aus Salzburg zu Gast. Das erinnerte beinahe an die Anfangszeiten des Fußballs, als die beiden Bundesländer zusammen einen Verband bildeten und zum Beispiel die Landesmeisterschaft der Saison 1920/21 gemeinsam ausrichteten. Die Austria aus Salzburg hatte in den neunziger Jahren des
20. Jahrhunderts ihre absolute Glanzzeit mit UEFA-Cup-Finale, Champions League- Teilnahmen und drei österreichischen Meisterschaften.
In der Linzer Halle hatte sie zunächst wenig Mühe, die Gruppe A mit 7 Punkten zu gewinnen.
 
 
Im Halbfinale sollten die Mozartstädter auf den Zweitplatzierten der Gruppe B treffen. Dass dies der LASK sein sollte, daran mochte am späten Abend des Freitags kaum ein schwarz-weißer Fan noch zu glauben. Die großartige Unterstützung der Fans hatte wenig geholfen. Ziemlich planlos liefen unsere Jungs umher und unterlagen Vorwärts Steyr in Spiel 1 mit 1:2 und – was noch bitterer war – dem FC Keli Linz (Nachfolger des SK bzw. FC VOEST Linz, des FC Stahl Linz und des FC Salesianer Miettex Linz) mit 3:6. Einzig und allein ein mäßiger 2:0-Erfolg gegen den Landesligisten Sportclub Marchtrenk ließ uns noch einen Funken Hoffnung für Tag 2. Wenn da zum Vorrundenschluss Marchtrenk gegen Vorwärts Steyr gewinnen würde, dann, ja dann hätten drei Teams je drei Punkte und der LASK – man lese und staune – das beste Torverhältnis.

Nie vorher und nie nachher hatte wohl der SC Marchtrenk so viel lautstarke Unterstützung wie an diesem Jänner-Nachmittag in der Linzer Sporthalle. Zum Glück spielte bei Marchtrenk auch die LASK-Legende Dietmar „Didi“ Grüneis, der nach 23 Jahren LASK seine Karriere ein paar Stufen weiter unten ausklingen ließ. Frenetisch angefeuert vom LASK-Block trieb er seine Mannen immer wieder an, alles zu geben und dieses Spiel zu gewinnen, obwohl es für Marchtrenk selbst außer der Ehre wenig zu gewinnen gab. Und auf Didi war wie immer Verlass, es gelang tatsächlich: Marchtrenk zwang Vorwärts mit 2:1 in die Knie und hievte damit den LASK auf Platz 2 und ins Semifinale gegen Salzburg. Die lausige Stimmung vom Vorabend war wie weggeblasen und alle freuten sich auf dieses Spiel.

Die Mannschaft hatte kapiert, dass ihr ein unerwartetes Geschenk gemacht worden war und ging mit diesem Präsent sehr sorgsam um. Sie spielte nämlich urplötzlich attraktiven, tollen Hallenfußball. Unsere sympathische Neuerwerbung Brendan Augustine, Nationalteamspieler von Südafrika und später WM-Endrundenteilnehmer in Frankreich 1998, sorgte für die Führung, die Salzburg jedoch noch vor der Pause ausgleichen konnte. Hälfte zwei ließ in Punkto Spannung keine Wünsche offen und als hätte ein geschickter schwarz-weiß angehauchter Regisseur eine glänzende Idee gehabt, war es wieder Brendan Augustine, der fünf Sekunden (!) vor dem Schlusspfiff das in mehrfacher Hinsicht wunderschöne Siegestor zum 3:2 erzielte.

Zu unserem Gaudium unterlag der „FC Kracherl“ im zweiten Halbfinale dem SV Braunau mit 1:2 und verlor auch gleich noch das kleine Finale gegen Salzburg gar mit 1:8.

Interessant aus späterer Sicht wie sich damals das Fanverhalten noch etwas anders präsentierte. Rieder Fans kamen in den LASK-Block, um den LASK gegen Vorwärts Steyr anzufeuern (!), LASK- und Salzburg-Fans (v.a. die Fanklubs Viking Linz und Absolut Salzburg) machten gemeinsame Sache – etwa, wenn es gegen Keli Linz ging. Nur mit den Blauen mochte sich kein Schwarz-Weißer (abgesehen natürlich von persönlichen Freundschaften) solidarisieren.

So waren es auch vor allem die blauweißen Fans, die im Endspiel den SV Braunau lautstark unterstützten.  Doch lange Zeit hatten unsere Freunde von der Getränke-Sektion Keli reichlich wenig zu feiern. Unsere Jungs führten zur Pause 2:1, wenig später 4:2 und die Wende von der Enttäuschung des ersten Tages hin zum stolzen Hallensieger schien endgültig vollzogen. Doch wieder einmal war der LASK eben der LASK. Auch einen kleinen Titel kann man im letzten Moment aus der Hand geben. Der Braunauer Torhüter mit LASK-Vergangenheit Andreas Saurer machte eine Chance nach der anderen zunichte und die Innviertler trafen vorne seltsamerweise immer öfter und am Ende stand ein – für Schwarz-Weiß höchst bitteres - 4:6.

Nach dem ersten Tag war Turnierplatz 2 ja eine nette Überraschung, aber irgendwie haftete dem Ergebnis doch der Makel einer unvollendeten Wende an.
 
1997 – Worst Case
 
 
Derselbe Sponsor wie im Vorjahr stand auch hinter der Auflage 1997 des Linzer Hallenturniers. Wieder zu Jänner-Beginn – nach den weihnachtlichen Festtagen - war alles angerichtet für ein feines Spektakel. Lokale, aber oft bewährte, Kost, angereichert mit süßen Salzburger Nockerl, wartete auf die Fans, die natürlich in der Mehrheit auf schwarz-weiße Gala-Diners hofften. Was sie jedoch von ihrer Mannschaft präsentiert bekamen, war eher eine Armenausspeisung.
Dabei ließ Spiel 1 durchaus noch auf weitere Gustostückerl hoffen. Die in der Linzer Halle traditionell starke Vorwärts aus Steyr konnte nach recht ansehnlichem Spiel knapp, aber verdient mit 2:1 bezwungen werden. Unsere weißrussische „Sascha“-Connection Sascha Palyanytsya (selten klang ein „oh,oh,oh“ nach einem Namen so befreiend schön) und der ewig junge Sascha Metlitski sorgten für unseren Auftaktsieg. Die Ausgangslage schien also gut. Vor dem Derby gegen den FC Linz – dieses Jahr ganz ohne Zusatz - wartete nur noch der Landesligist Union Rohrbach / Berg, der in seinem ersten Spiel gegen den blauen Linzer Verein mit 0:6 untergegangen war. Hunderte unserer vielen Fans in der Halle waren gut gelaunt und putschten die Stimmung gewaltig auf. Doch nicht minder gewaltig kamen unsere Burschen ins Schleudern. Während die Unsrigen wohl glaubten, das Spiel mit allerhand coolen Tricks locker gewinnen zu können, verbissen sich die harten Mühlviertler regelrecht in ihre Aufgabe, um nicht zu sagen, in ihre Gegenspieler. In ihrer harten Gangart vom Referee nicht wirklich gestoppt, kauften sie unseren Helden a.D. die Schneid, aber auch Disziplin und Moral, ab. Anstatt sie einfach aus der Halle zu schießen, ließ man sich auf kleinliches Hick-Hack ein und verlor dabei endgültig die Konzentration. Die Folgen all dessen waren eine höchst ärgerliche 4:5-Niederlage gegen den krassen Außenseiter und fliegende Bierbecher und Feuerzeuge einiger Unverbesserlicher aus unserem Block.

Aber noch konnte Schwarz-Weiß den Kopf aus der Schlinge ziehen. Man brauchte „nur“ das Derby gewinnen … Hoffnung gab die Statistik: 5 der letzten 7 Hallenderbys hatten den richtigen Sieger. Nach dem sah es auch gleich zu Beginn wieder aus. Unter Riesenjubel stellte Sascha Metlitski schon in der ersten Minute die Weichen auf Sieg … wäre eine schöne Formulierung, die allerdings einen Haken hat: Der Inhalt stimmt nicht. Tor durch Metlitzki in Minute 1 stimmte zwar, doch der Mitbewerber vom Stahlwerk, das allerdings mit eben diesem seit geraumer Zeit nichts mehr zu tun haben wollte, blieb stets gefährlich nahe dran am unentschiedenen Spielstand, der unser Out bedeuten würde. Bei 3:2 für den LASK stimmten ein paar Übermütige aus unseren Reihen schon 2,30 Minuten vor der Schlusssirene ein hämisches „Auf Wiedersehen“ an. Zweieinhalb Minuten können aber im Fußball sowieso und erst recht in der Halle noch eine lange Zeit sein. Tatsächlich waren es am Ende wir, die wir uns verabschieden mussten – vom Traum vom Derbysieg, vom Halbfinale, vom Hallentitel. Dem Rivalen gelang kurz vor Schluss noch der Ausgleich und weg war Gruppenrang 2.

So blieb für den Finaltag bloß das recht unattraktive Spiel um die Plätze 5 und 6, wo es erstaunlicherweise ein Wiedersehen mit dem Finalgegner aus dem Vorjahr – SV Braunau -  gab. Wie damals gewann der Außenseiter aus dem Innviertel, diesmal mit 6:5 gegen die halbe Reservemannschaft des Linzer ASK. Dass das ein unattraktives Spiel sei, war wohl auch die Meinung unseres deutschen Star-Trainers Friedel Rausch. Er zog es vor, diesem Spiel fern zu bleiben, was ihm zum ersten Mal in seiner Linz-Zeit harsche Medienschelte einbrachte.
 
 
Keine Kritik, sondern Extra-Lob erntete der FC Linz, dem es doch tatsächlich gelang, dieses Turnier für sich zu entscheiden. Einem Halbfinalerfolg über die SV Ried folgte ein Penalty-Shoot-out-Sieg gegen die Sportvereinigung Casino Salzburg. FC Linz Turniersieger / LASK Turniersechster (von acht) – sozusagen der „worst case“ für einen LASK-Fan - höchste Zeit, dass sich was dreht (© Herbert Grönemeyer, WM 2006) … im Hallenfußball der Neunziger … und jawohl, es dreht sich was, es wendet sich die Aufmerksamkeit auf 1998 zu … und das ist gut so. Denn 1998 sollte ein gutes, ein perfektes Hallenjahr für unseren ASK werden – versprochen!
 
 
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Statistik

Linzer Hallenturnier 1996
12. / 13.01.1996

LASK gegen:
Vorwärts Steyr 1:2 Metlitzki
SC Marchtrenk 2:0 Duspara, Dubajic
FC Keli Linz 3:6 Metlitzki (2), Lorenz
SV Casino Salzburg 3:2 Augustine (2), Gussnigg
SV Braunau 4:6 Russ (2), Augustine, Metlitzki
 
5 Spiele – 2 Siege – 0 Remis – 3 Niederlagen – 13:16 Tore – Rang 2 (von 8)
Turniersieger: SV Braunau
 
Linzer Hallenturnier 1997
10.01. / 11.01.1997

LASK gegen:

Vorwärts Steyr 2:1 Palyanytsya, Metlitzki
Rohrbach/Berg 4:5 Scharrer (2), Palyanytsya, Dubajic
FC Linz 3:3 Metlitski (2), Palyanytsya
SV Braunau 5:6 Weissenberger Th. (2), Palyanytsya, Weissenberger M., Lorenz
 
4 Spiele – 1 Sieg – 1 Remis – 2 Niederlagen – 14:15 Tore – Rang 6 (von 8)
Turniersieger: FC Linz

 

Quellen:

  • VIKINGS Magazin. Erste oberösterreichische Fanzeitung. 1 Jahrgang, 1. Ausgabe.
    Juli
    1996, Seiten 6 – 7
  • VIKINGS Magazin. Erste oberösterreichische Fanzeitung. 2 Jahrgang, 3. Ausgabe. Sommer / Herbst 1997, Seite 6
  • www.austriasoccer.at
  • www.transfermarkt.at
  • www.google.at

 

 

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