Die LASK-Saga: „Seit 1908 – Der Stolz von Oberösterreich“ – Teil 7, 1965 - 1970

Nach dem bis dato größten Erfolg der Vereinsgeschichte - Gewinn des Meistertitels und des Pokals, beides als erste Bundesländermannschaft - verlief es für den LASK in den Folgejahren alles andere als nach Wunsch. Finanzielle Probleme, Verlust der Heimstätte, Rücktritt des Präsidiums … immer neue negative Schlagzeilen verdrängten bald die sportlichen Ereignisse. 
 
Zunächst aber hatte man noch die Ehre – es ist bis zum heutigen Tag das einzige Mal geblieben – im Europapokal der Landesmeister (heute Champions League) auflaufen zu dürfen. Es blieb bei einem Auftritt in Runde 1. Der polnische Meister Gornik Zabrze erwies sich als zu stark und behielt mit 3:1 in Linz und 2:1 in Zabrze klar die Oberhand. Standesgemäß war der erste Torschütze für den LASK in der europäischen Königsklasse sein – viele Jahre später dazu gewählte – Jahrhundertspieler Helmut Köglberger. Im Rückspiel traf Luka Liposinovic aus einem Elfmeter.
 
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Auch heimische Meisterschaft und Pokal-Wettbewerb verliefen durchwachsen und die erfolgreiche Verteidigung der Titel gelang nicht. Die Abgänge von Paul Kozlicek und Dolfi Blutsch bedeuteten doch eine deutliche Schwächung und so reichte es für die Schwarz-Weißen in der Punktejagd letztlich nur zum 7. Tabellenrang und im Cup kam diesmal bereits im Viertelfinale das Aus. Immerhin verlor man gegen den späteren Sieger des Bewerbs, Admira-Energie. Die Niederösterreicher triumphierten auch in der Meisterschaft und lösten so den LASK als Doublegewinner ab.
 
In die erste Zeit der neuen Fußball-Nationalliga, wie die höchste österreichische Spielklasse ab dieser Saison hieß, fiel auch ein Spielabbruch beim Meisterschaftsheimspiel LASK gegen Austria Wien im November 1965. Als die Wiener Veilchen in der 60. Spielminute aus klarer Abseitsposition das 1:3 erzielten, waren neben dem Linzer Anhang auch die Spieler des LASK mit dieser Entscheidung nicht einverstanden und protestierten heftig - allen voran Torhüter Kitzmüller. Dieser versuchte Schiedsrichter Hafner zum Linienrichter zu zerren, worauf dieser völlig entnervt und überfordert das Spiel abbrach. Es wurde letztlich mit 0:3 für die Wiener Austria strafverifiziert.

In der Spielzeit 1966/67 sollte es für die Linzer Schwarz-Weißen sportlich etwas besser laufen. Die Meisterschaft beendete man auf dem 4. Endrang und im ÖFB-Pokal kämpfte sich der LASK neuerlich ins Endspiel vor, wo man nach einem 2:1-Heimerfolg  über die Wiener Austria im 1. Finalspiel (Torschützen für den LASK Kondert und Köglberger, für die Austria Buzek aus einem Elfmeter) sich dann im Rückspiel in Wien den Violetten mit 0:1 geschlagen geben musste (Tor: Dirnberger, 26.). Das Gesamtscore hieß 2:2, die Auswärtstorregel galt noch nicht, so musste das Los über den Pokalsieger 1967 entscheiden. Eine solche Situation war den Linzern vom Europacupduell mit Dinamo Zagreb im Pokalsiegerbewerb 1963 bekannt und wie damals endete das reine Gücksspiel auch in diesem Falle mit einem negativen Ergebnis aus schwarz-weißer Sicht. Nach erfolgtem Münzwurf verlautbarte der Schiedsrichter Dr. Bauer Austria Wien als österreichischen Pokalsieger 1967.
 
Im selben Jahr 1967 stand der LASK allerdings wirtschaftlich vor dem Nichts. Große finanzielle Probleme und die gerichtliche Räumung des LASK-Platzes an der Paul-Hahn-Straße – dort wurde eine Höhere Technische Bundeslehranstalt (HTL) gebaut - hatten einen Misstrauensantrag gegen das amtierende LASK-Präsidium Spießmayer – Jungbauer - Richter zur Folge. Daraufhin trat dieses geschlossen zurück und der LASK stand ohne Führung quasi vor der Auflösung. Nur der umtriebige Sektionsleiter Franz Enzenebner blieb und rannte sämtlichen Politikern und Firmenchefs die Türen ein um den Tod „seines“ geliebten LASK zu verhindern. Bei einem Linzer Druckereibesitzer und späteren Landtagsabgeordneten fand er schließlich Gehör und nach Unterstützungszusagen aus der Landespolitik wurde am 5. Mai 1968 Rudolf Trauner (Foto) als geschäftsführender Präsident eingesetzt. Ihn unterstützten drei bedeutende Männer aus Oberösterreichs Wirtschaft im Präsidium: Hubert Fein, Getränkefirma („Schartnerbombe“), Ferdinand Richter, Schuhfabrikant („Richter-Schuhe“) und der Industrielle Ludwig Lindpointner („Lindpointner-Tore“). (Anm.Red: "Die Freunde des LASK "- Urfassung). Die Übernahme war durchaus mutig, sah man sich doch einem Schuldenberg gegenüber und musste aus der Privatkassa eine „Morgengabe“ von 350 000 Schilling (mehr als 25000 Euro) mitbringen, um zu verhindern, dass die bereits einige Zeit auf ihr Geld wartenden Spieler nicht durch kostenlose Freigabe dem LASK den Rücken kehrten.
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Nun hatte der LASK zwar wieder einet Führung, aber keine echte Heimstätte. Der beliebte LASK-Platz an der Pal-Hahn-Straße war endgültig Geschichte und es begann die wechselvolle Beziehung zum Stadion der Stadt Linz „Auf der Gugl“. Die Heimspiele konnte man dort austragen und durch eine Vorauszahlung an die Stadt Linz wurde man auch für Trainingszwecke eine Art „Untermieter“. Als Lagerungsstätte der Sportausrüstungen aller Mannschaften des LASK diente allerdings eine Baracke an der Laskahofstraße, wo der Zeugwart des Vereins seine „Heimstätte“ hatte – ein für einen Verein wie den LASK langfristig nicht tragbarer Zustand. Und so wurde immer wieder nach geeigneten Möglichkeiten gesucht und Ausschau gehalten, um dem Linzer Traditionsfußballklub eine echte Heimstätte zu schaffen. Kurzfristig schien sich eine Anmietung nahe des „Stickstoff“-Platzes (später „Chemie Linz“) als Lösung anzubieten. Doch der sicherlich gut gemeinte Vorschlag scheiterte letztlich aus finanziellen Gründen. Dank des Engagements von Landes- und auch Bundespolitikern sollten die Linzer Athletiker dann dennoch zu ihrer neuen Heimat  kommen. Der Landesrat und spätere Landeshauptmann Erwin Wenzl vermittelte dem LASK ein geeignetes Areal nahe der Wohnung des Zeugwarts – sinnigerweise im südlichen Linzer  Stadtteil „Neue Heimat“. Das Areal war von Volksgruppen der Sinti und Roma (damals sagte man auch ganz offiziell „Zigeuner“) besiedelt, wurde jedoch von Bautenminister Dr. Vinzenz Kotzina für den Bau einer Sportanlage für den LASK frei gegeben. Der Quadratmeterpreis betrug 30 Schilling (2,18 Euro) und zusätzlich durfte sich der Klub über eine 3-Millionen-Schilling-Zusage (rund 218 000 Euro) freuen. Diese kam vom Bauten-, Finanz- und Unterrichtsministerium und ermöglichte erst den Erwerb des Areals und auch erste Bauvorhaben. Auf die neue Adresse und auf die Heimstätte des SK Rapid Wien anspielend, wurde sogar der Begriff  „Hütteldorf am Flötzerweg“ geprägt.
 
 
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Mit dem 26. August 1969 erfolgte der Startschuss zur Verwirklichung des Vorhabens, die Pläne für die Anlage wurden erstellt und das LASK-Präsidium und auch die Landespolitik, allen voran Landeshauptmann Erwin Wenzl sowie sein Stellvertreter Landessportreferent Gerhard Possart sowie Finanzlandesrat Lelio Spannocchi und sein Nachfolger und spätere Landeshauptmann Dr. Josef Ratzenböck unterstützten das Bauvorhaben finanziell mit vollen Kräften. Auch viele Baufirmen bewiesen ihr großes Herz für den LASK und arbeiteten kostenlos an der Fertigstellung der neuen LASK-Heimstätte (heute Heimsat und Vorzeigeprojekt des Oberösterreichischen Fußballverbandes ( OÖFV) - doch dazu in einem späteren Teil der LASK-Saga mehr).
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Sportlich erreichte man in der Spielsaison 1967/68 den 8. Tabellenrang in der Endabrechnung unter 14 Mannschaften, kämpfte sich jedoch im ÖFB-Pokal über Schwechat und  Sturm Graz bis ins Viertelfinale vor, wo man allerdings bei SW Bregenz mit 0:1 unterlag. Besser lief es zumindest was die Punktejagd betraf in der darauffolgenden Saison. Ein 4. Tabellenplatz sollte am Ende nämlich reichen, um im Herbst 1969  auch wieder auf der internationalen Fußballbühne vertreten zu sein. Deutlich weniger erfolgreich gestaltete sich der nationale Cup-bewerb für den LASK. Das Erstrundengastspiel bei der WSG Wattens sollte nämlich auch bereits wieder die Endstation für diese Saison sein. Die Rückkehr auf die internationale Bühne brachte den hoch attraktiven Gegner Sporting Lissabon als Gegner. Das Duell in Runde 1 des „Messestädte-Pokals“ (Vorläufer des „UEFA-Pokals“ bzw. der heutigen „Europa League“) mit dem Europacup-routinierten und mit 7 Nationalspielern gespickten Team aus der portugiesischen Hauptstadt stellte ein Duell „David gegen  Goliath“ dar. „Goliath“ setzte sich im Hinspiel in Lissabon doch sehr deutlich mit 4:0 durch, doch im Rückspiel in Linz traute sich der kleine „David“ mehr zu und erreichte ein durchaus beachtliches 2:2-Remis. Mit einer ansprechenden Leistung und  Toren von Alf Wurduunger und Kurt Leitner konnte  die Siegesserie der „Löwen von Lissabon“ gestoppt werden. In Summe blieb der Kampf mit einem Gesamtscore von 2:6 aber eine deutliche Angelegenheit für die Iberer und der LASK musste die europäische Bühne wieder verlassen.
 
In der Meisterschaft in der Endabrechnung auf Platz 4 gelandet, sollte dem LASK in der  Spielzeit 1969/70  im österreichischen Pokal ein gutes Jahr beschert sein. Über den FC Lustenau (2:0, auswärts), Admira Energie (6:0) und WSG Radenthein (4:0) kämpfte man sich souverän ins Halbfinale gegen Schwarz-Weiß Bregenz vor, wo man nach einem 2:2 (auswärts) im ersten Spiel auch im Wiederholungsspiel mit 3:3 remisierte. Endlich hatte man aber einmal mit der Los-Entscheidung Glück und zog durch diesen umstrittenen Entscheid  ins österreichische Pokalfinale ein. Dort zog man aber am Finalort Südstadt gegen Wacker Innsbruck mit 0:1 (Tor: Ettmayer, 53.) den kürzeren.
Bemerkenswert für diese Saison ist auch noch das erste Aufeinandertreffen in einem Pflichtspiel  mit dem in dieser Saison aufgestiegenen SK VOEST Linz, ein Duell dass über die Jahrzehnte hinweg zu einem echten Prestigeduell um die Vorherrschaft in der Stadt Linz werden sollte. In diesem ersten Derby gab es darüber noch gar  keinen Zweifel. Nach einer torlosen ersten Halbzeit „zertrümmerte“ der LASK den Liganeuling in Hälfte 2 noch mit 5:0 (Tore: Leitner II (2), Medvid, Strebele, Bubernik). Damit wurde nicht nur das Derby-Zeitalter eingeleitet, sondern auch ein neues Jahrzehnt, das – wie beim LASK gewohnt – für die Fans ein heftiges Wechselbad der Gefühle bereit hielt.
 
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Rudolf Trauner
 
Er übernahm 1968 an der Spitze eines Vierer-Präsidiums gemeinsam mit Ferdinand Richter, Hubert Fein und Ludwig Lindpointner das Präsidentenamt beim LASK und wurde in seiner  21-jährigen Zeit an der Spitze des Klubs zu einer echten „Ikone“ unter den Präsidenten des LASK. In seine Amtszeit fielen sportliche Höhepunkte in der Geschichte des LASK wie der Gewinn des Herbstmeistertitels 1972 und die „Goldenen Jahre“ in den 80er-Jahren als man viermal in Folge in den UEFA-Cup einzog und zweimal auch die erste Runde überstehen konnte und als Glanzlicht der 1:0-Sieg im Zweitrunden-Hinspiel gegen die Millionenelf von Inter Mailand im Herbst 1985. Nach einem weniger glorreichen Intermezzo von Johann Molner als LASK-Chef stand er  kurzfristig  nochmals an der Spitze des Vereins, ehe er 1991 mit Otto Jungbauer von jenem Mann wieder abgelöst wurde von dem Trauner auch 1968 das Präsidentenamt beim LASK übernommen hatte.
Quelle: Festschrift „80 Jahre LASK“ 1988
 
Extrabeilage Neues Volksblatt zum Heimspiel des LASK im Europacup der Landesmeister gegen. Gornik Zabrze
Quelle: Persönliches LASK-Archiv Werner Hinterberger
 
Areal LASK-Platz vor Errichtung der Anlage
Quelle: Festschrift „80 Jahre LASK“ 1988
 
LASK-Weihnachtsfeier (Sammlungsstart für LASK-Platz), 1969
Quelle: Festschrift „65 Jahre LASK“ 1973
 
 
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