Die LASK-Sage: „Seit 1908 – Der Stolz von Oberösterreich "Das goldene Jahr 1965" (Teil 1)

 

Die Saison 1964/65 – Chronologie und Anekdoten
 
Der LASK startete mit einem starken Kader in die Saison 1964/65. Zwar hatte man die Abgänge von Teinitzer (zum Stadtrivalen SVS Linz) und von Torjäger Nemeth zu verkraften, konnte aber selbst von Amateure Steyr zwei vielversprechende Talente – Willi Harreither (Tor) und Helmut Köglberger (Angriff) – verpflichten. Von SVS Linz kam Franz Viehböck und Dolfi Blutsch konnte von Austria Wien fix verpflichtet werden.  

So startete man mit sehr hohen Erwartungen in die neue Meisterschaftssaison. Diese erhielten jedoch bereits beim Meisterschaftsauftakt gegen Admira einen gehörigen Dämpfer, denn die Athletiker unterlagen zuhause der Admira mit 1:4 und zusätzlich verletzte sich Stopper Helmut Linossi schwer. Für ihn war die Saison bereits nach Runde 1 beendet.
Als man in Wiener Neustadt mit 2:4 ebenfalls als Verlierer vom Platz gehen musste, forderten erste Stimmen in der Tagespresse bereits die Ablöse von Trainer Karl Schlechta. Doch prompt erfingen sich die Schwarz-Weißen und in den nächsten drei Runden gab es gegen Innsbruck, WAC und Kapfenberg ebenso viele Siege. Es folgte ein sportliches Wellental und nach 8 Runden fand sich der so hoch eingeschätzte LASK auf Tabellenrang 7 wieder, was neuerlich herbe Kritik in der Medienlandschaft hervorrief. So titelte etwa eine Tageszeitung „Der LASK von heute ist mit dem LASK des Jahres 1962 nicht zu vergleichen“ und auch ein pflichtgemäßer 3:0-Erfolg über Wacker Wien ließ die Kritik am Spiel der Linzer Athletiker nicht verstummen. So wurde etwa Ex-Teamspieler Turl Wagner zitiert: „Dieser LASK ist um zwei Klassen schlechter geworden“.
 
Die Gerüchteküche begann zu brodeln und erstmals stand eine Ablöse von Karl Schlechta als LASK-Trainer im Raum nachdem man auch im Pokal gegen den Stadtrivalen SVS Linz in der 1. Runde nur mühevoll in der Verlängerung weitergekommen war. Der angezählte LASK-Trainer packte die sprichwörtliche Peitsche aus und kündigte Geldstrafen für die Spieler im Falle einer neuerlichen Heimniederlage an. Die Drohung fruchtete, eine Verbesserung in der Tabelle gab es aber nicht. Den Rapidlern trotzte man auf der von den Gegnern gefürchteten Pfarrwiese ein Remis ab, wobei Sturmberger eine Glanzpartie spielte und gleich darauf gegen den starken Wiener Sportclub nach einem 70-Meter-Solo ein traumhaftes Tor erzielte.
 
Einem 0:0 gegen die Vienna folgte eine empfindliche 0:4-Abfuhr auswärts beim GAK und letztlich blieb am Ende der Herbstsaison der eher enttäuschende siebente Tabellenplatz für die Linzer Schwarz-Weißen.
 
Die Schuld, so bekrittelte zumindest die Tagespresse, sei in den eigenen Reihen bzw. fehlendem Vereinsgeist beim LASK zu suchen. Damit lag man vielleicht gar nicht so falsch. So fühlte sich Fürst zu Unrecht nicht eingesetzt und wurde Sturmberger von Trainer Schlechta wegen seiner „Anwandlung zu Effekten“ hart kritisiert und Köglberger und Chico wirkten auf der Weihnachtsfeier traurig, weil sie nicht eingesetzt wurden, obwohl ob der Ausfälle von Sabetzer (der als Finanzbeamter durch eine Schulung beruflich verhindert war), Liposinovic (krank) und Szabo, der mit einer Gehirnerschütterung im Krankenhaus lag,  eigentlich personelle Nöte vorhanden waren.
 
Mitten in diese Krisenstimmung im Lager von Schwarz-Weiß hinein kam die doch eher überraschende Nachricht von der Ablöse Karl Schlechta’s als LASK-Trainer durch Frantisek Bufka aus der Tschechoslowakei - bis zu diesem Zeitpunkt als Trainer von Mährisch Ostrau (heute Banik Ostrau) tätig.
Das Cupspiel, das der LASK wenige Tage vor Weihnachten gegen Austria Klagenfurt souverän gewann, wurde zur Abschiedsvorstellung für Karl Schlechta, der über seine Ablöse erst informiert wurde als der Wechsel bereits fix war.
 
Das Gewissen ob des allseits unbefriedigenden siebenten Tabellenplatzes drückte die LASK-Stars. Während die kühnsten Optimisten immer noch vom ganz großen Coup träumten, dämpfte der Spieler  Paul Kozlicek in einem Interview solche  Hoffnungen:  „Es ist uns selbst am unangenehmsten, dass wir so schlecht platziert sind. Ich kenne mich aber in Wien aus und weiß, dass keine Provinzmannschaft eine Chance hätte, Meister zu werden. Dazu halten die Großen der Wiener viel zu sehr zusammen.“
 
Doch es sollte anders kommen.

Kurz nach Neujahr „scheiberlten“ sich die LASK-Kicker zum Sieg beim Hallenturnier in der Linzer Harbachschule gegen die Linzer Landesligateams.
 Am 7. Jänner wurde der neue Trainer Frantisek Bufka der Mannschaft vorgestellt und dieser verordnete den LASK-Fußballern das wohl legendärste Trainingslager der Vereinsgeschichte. Eine Woche stöhnen die LASK-Fußballer bei Eiseskälte im Schnee von Obertraun unter dem beinharten Konditionstraining. Kapitän Sabetzer beklagte dass man  ja „Fußball spielen und nicht Marathonmeister werden wolle“ und ob der vielen beinharten Läufe über Stock und Stein scherzte der junge Hans Kondert: „Das Bundesheer war ja der reinste Urlaub“ … aber immerhin, der Schmäh lief und in der LASK-Truppe wuchs ein unheimlicher Zusammenhalt heran, welcher gemeinsam mit der durch das harte Lauftraining erworbenen konditionellen Stärke zu den „Vätern“ des späteren großen Erfolges des LASK gehören sollte.
Topmotiviert ging es zurück nach Linz. Ein Gegner in den Vorbereitungsspielen für die Frühjahrsmeisterschaft war übrigens auch der Linzer Regionalligist SK VOEST, der in einem inoffiziellen Spiel vom LASK mit 4:0 bezwungen wurde.
 
Am 13. März begann mit dem 2:2 in Innsbruck die wohl einmaligste und legendärste Aufholjagd der LASK-Geschichte, das Wort „NIEDERLAGE“ existierte im LASK-Vokabular in dieser Saison schlicht und einfach nicht mehr. Die harte Konditionsarbeit von Obertraun machte sich nun bezahlt, denn viele Spiele konnte der LASK in der zweiten Spielhälfte zu seinen Gunsten entscheiden. Punkt um Punkt wanderte auf das Konto der Athletiker. Sturmberger wurde für seine großartigen Leistungen im LASK-Dress mit einer Teameinberufung belohnt und feierte beim 2:1-Auswärtserfolg Österreichs in Paris mit einer starken Darbietung als Läufer ein gelungenes Debüt. Unterdessen ging es auch für den LASK in der Tabelle steil nach oben. Man feierte einen Sieg nach dem anderen: Heimsieg gegen Sturm Graz, Auswärtserfolg in Schwechat -  vor 20.000 Zuschauern konnte nicht einmal das Fehlen von vier Stammspielern den 2:0-Erfolg der Linzer Athletiker verhindern -  und ein 6:1-Kantersieg auswärts gegen Wacker Wien ließen die Linzer auf den vierten Tabellenplatz empor klettern.
 
Vor dem Heimspiel gegen Rapid Wien betrug der Rückstand auf Tabellenführer Wiener Sportclub nur noch 3 Zähler. 21.000 Besucher erlebten im Linzer Stadion wie der LASK gegen die Hütteldorfer ein 1:1 erkämpfte, während der Wr. Sportclub beim WAC mit 4:1 siegreich blieb.
Im Pokal zog  man im Wiederholungsspiel zuhause gegen Sturm Graz souverän mit 3:0 (das erste Spiel endete in Graz nach Verlängerung 3:3, Elfmeterschießen gab es damals noch nicht; das Regulativ sah für den Gleichstand nach Verlängerung ein Wiederholungsspiel vor) ins Halbfinale ein. In der Punktejagd kam es in Dornbach zum Duell mit dem Wiener Sportclub, welches der LASK durch ein Viehböck-Kopfballtor in der 83. Spielminute für sich entscheiden konnte. Somit lag der LASK zwei Runden vor Schluss drei Zähler hinter dem Tabellenführer und großen Favoriten Rapid zurück und hatte plötzlich ernsthafte Chancen, diese verrückte Saison mit dem Gewinn des österreichischen Fußballmeistertitels zu krönen – Fußball-Oberösterreich stand Kopf!!!
 
Im Pokal erreichte man indes durch einen 2:1-Heimsieg gegen Admira-Energie neuerlich das Finale und stand plötzlich davor, Fußballgeschichte zu schreiben und als erster Nicht-Wiener-Klub das Double, also Meistertitel und Pokalsieg in einer Saison, zu gewinnen.
In der vorletzten Meisterschaftsrunde strauchelten sowohl Rapid (0:2 zuhause gegen Admira-Energie) als auch der Wr. Sportclub (0:2 daheim gegen die Vienna), während der LASK gegen den GAK nichts anbrennen ließ und die Rotjacken souverän mit 4:0 ohne Punkte wieder auf die Heimreise in die steirische Landeshauptstadt schickte. Der Rückstand auf Rapid hatte sich vor der letzten Runde auf einen Punkt reduziert.
 
In den beiden Pokalendspielen gegen Wiener Neustadt (1:0-Auswärtssieg in Wr. Neustadt, 1:1 im Rückspiel am heimischen LASK-Platz) sicherte sich der LASK den ersten ÖSTERREICHISCHEN POKALSIEG in der Vereinsgeschichte und ging mit viel Selbstvertrauen und breiter Brust ob des Triumphes im ÖFB-Cup ins Fernduell in der letzten Runde mit Rapid Wien.
  • Mannschaft_Cup

Das Team beim Cupfinale

Drei Tage nach dem Cupsieg putzte der LASK in Plattling die spielstarke Elf von Slavia Prag mit 3:0 vom Feld und trat dabei  trotz des in wenigen Tagen stattfindenden entscheidenden Spieles in der letzten Meisterschaftsrunde gegen die Vienna bis auf Franz Viehböck mit der stärksten Elf an. Im Lager der Linzer hatte man berechtigte Hoffnungen auf die Sensation und auf das historische Double.

Beim Aushandeln der Meisterprämien kam es allerdings zwei Tage vor dem Spiel in Wien zum Eklat. Hitzige Diskussionen zwischen Mannschaft und dem Trainerteam Bufka/Simko sowie Sektionsleiter Enzenebner und auch Präsident Jungbauer, der eine Aussprache mit Spielervertreter Sturmberger verweigerte, hatten gar einen Trainingsstreik zur Folge. Präsident Jungbauer drohte, mit Nachwuchsspielern in Wien anzutreten, worauf die LASK-Fußballer von ihrem Streikvorhaben wieder Abstand nahmen und auf den Trainingsplatz zurückkehrten. Tags darauf machte Jungbauer bei einem neuerlichen Aufflammen des Streites klar, sich nicht erpressen lassen zu wollen. in dieser aufgeheizten internen Stimmung fuhr der LASK  am 3. Juli 1965 nach Wien zum letzten Meisterschaftsspiel gegen die Vienna und wurde von 2000 LASK-Fans dorthin begleitet.
 
Was dann in Wien passierte und einen genauen Blick auf das erfolgreichste Team in der Geschichte des LASK könnt ihr Morgen im zweiten Teil lesen. 
 
 
 
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