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Ein schwarz-weißes Herz schlägt nicht mehr – Erinnerungen an Dietmar Ehrenreich

von Günther Waldhör
 
„Am Samstag, 16.00 Uhr gegen Grödig – 2. Liga, und grad dann is‘ wichtig! – Herzlichst, Dietmar“
So lautet die persönliche Widmung, die mir Dietmar Ehrenreich einmal in mein Exemplar des Buches „Meine Seele, schwarz-weiß. 100 Jahre LASK. 100 Briefe an meinen Sohn“ geschrieben hat.
So manches ist in diesen kurzen Worten enthalten, was Dietmar unter anderem auszeichnete.

Er war gut für Überraschungen – welcher Autor selbst eines Fußballbuches schreibt einem anderen Fan die Anstoßzeit des nächsten Spiels als Widmung ins Buch? Er wusste immer, wo und wann sein LASK spielte („ob ich mir andererseits irgendwann den Namenstag meiner Frau merken werde, bezweifle ich dagegen doch stark“) Ihm war nicht – wie so vielen anderen – wichtig, wer der Gegner des LASK war, er kam, weil es „grad dann“ wichtig ist, wenn die anderen fern bleiben, weil es nicht so läuft. Der LASK war für ihn eine Liebe fürs Leben: „Ob wir jetzt in der Bundesliga, in der Ersten Division oder in der Regionalliga spielen, ist mir völlig wurscht. Der sportliche Erfolg ist es nicht, was das ‚Fan-Sein‘ für mich ausmacht.“ – sagte er einmal in einem Interview.  Und selbst von seinem „Herzlichst“ wusste ich, dass es keine Floskel war. Auch wenn wir uns eher selten begegneten, jede unserer Begegnungen war auf ihre je eigene Art „herzlichst“. 

Dietmar Ehrenreich war ein Familienmensch, aber auch ein Mann mit Blick über den Tellerrand, er war Verleger, für seine Autorinnen und Autoren aber viel mehr als das, er war belesen und  liebte Bücher und er schrieb selbst welche, er liebte sein Zuhause und war dennoch liebend gern unterwegs. Er war selbst Sportler und sah gern beim Sport zu. Er bereiste große Stadien und sah Mannschaften der Extraklasse, seine fußballerische Liebe aber gehörte seit seinem sechsten Lebensjahr dem LASK. Wie ihm überhaupt der Begriff des Liebhabers mehr gefiel als der des Fans. Er wollte nicht fanatisch sein, er wollte lieben. Und er liebte … viele, vieles – viel.
Bei den Legendenspielen für Zeugwart-Legende Heinz Wolf im Juni 2015 trug er nach 38 Jahren noch einmal „quasi offiziell“ das schwarz-weiße Trikot. Denn aus seinem Buch wissen wir, dass er 1977 für ein Spiel in der „Unter 21“ auch „echter“ LASK-Spieler war. Das kann zwar sein Freund, der Linzer Kabarettist und auch große LASK-Anhänger Günther Lainer,  von sich nicht behaupten, doch ergänzten sie sich immer wieder großartig. Kaum vorstellbar, dass nun die beiden nicht mehr gemeinsam zum LASK gehen können, kaum vorstellbar, dass ihre drei gemeinsam herausgegebenen Bücher (u.a. auch ein weiteres Fußballbuch mit viel LASK-Bezug, „Querpässe. Nicht schon wieder Fußball, oder doch mehr?“) nun zu Erinnerungswerken an Dietmar werden.

In einem dieser Bücher schreibt er, die Seele sei ihm deshalb so wichtig, weil sie unsichtbar sei. In allen möglichen Begegnungen und Dingen möchte er diese Seele spüren und greifen. In unser aller gemeinsamen Liebe zum LASK wurde für Dietmar wohl immer wieder ein Stück dieser Seele konkret spürbar und greifbar - und dann war sie nicht mehr nur schwarz die Seele, sondern schwarz-weiß.
An anderer Stelle in diesem Buch dreht er ein altes Kirchengebet  für die Stunde des Todes literarisch um und schreibt: „Gott, denk an Dich / wenn Du in mein Reich kommst“. Nun ist Gott tatsächlich mitten in Dietmars pulsierendes Reich gekommen und Gott möge an sich denken, denn er ist die Liebe und Dietmar war voller Liebe.
Dietmar, sollte es dort  wo du jetzt bist, möglich sein, Fußball zu spielen, halte unsere Farben hoch, so wie du es gesagt hast: „Es wird niemals passieren, dass ich dem Linzer Athletik Sportklub die Liebe aufkündige. Das ist auf jeden Fall sicher!“  R.I.P., Dietmar!
 
(Zitate aus Büchern von Dietmar Ehrenreich sowie aus einem Interview, Oberösterreichische Nachrichten, 19. November 2008, Seite 33)
(Foto: LASK Facebookseite)
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