Länderspiel-Hopping: Ungarn, Wales, England

Da diesmal die Länderspiel-Pause Anfang September mit meinem Urlaub zusammen fiel (natürlich nicht ganz zufällig) machte ich gleich bei drei Spielen halt. Es war auch das erste Mal für mich, dass ich mehrere Länderspiele ohne österreichischer Beteiligung sah. Die Ziele waren: Budapest, Cardiff und London.

Ungarn 3:1 Lettland
31.08.2017 | Groupama Arena, Budapest | 16.500 Zuschauer (davon ca. 10 aus Lettland)

Ich machte mich am frühen Nachmittag per Zug auf den Weg nach Wien. Dort wechselte ich ÖBB gegen ein Mietauto (wegen des späten Anpfiffs um 20:45 war leider keine öffentliche Rückreise nach Wien mehr möglich). Die ca. 3 stündige Autofahrt von Wien nach Budapest verlief schnell und ereignislos, sodass ich bereits um 18:00 in Budapest beim Stadion ankam. Das Spiel fand in der Groupama Arena, dem Heimstadion von Ferencvaros mit einer Kapazität von ca. 24.000 statt. Dort angekommen verbrachte ich mit Pizza und Bier im nahegelegenen Park mit einigen Ungarn die Zeit bis zum Anpfiff. Detail am Rande: Im Ungarischen Tor stand der Ex-Salzburg Keaper Peter Gulacsi, dessen Namen ich jetzt endlich auch richtig aussprechen kann: „Gulatschi“.  Bei den Ungarn sorgte die Geschichte dass unsere Kommentatoren dessen Namen oft „Gulaschi“ – wie de Gulasch – aussprechen für Gelechter.

Nachdem die Tickets per Reisepass-Kontrolle umgetauscht wurden, ging es gleich rein ins Stadion. Diese kosteten übrigens einheitlich 1.000 Forint, also umgerechnet gerade einmal 3 € einheitlich pro Sitzplatz. Das Stadion ähnelt meiner Meinung nach etwas der Allianz-Arena (wegen der Farbe, der Tribüne und der Außenfassade). Ungarn hatte das Spiel eigentlich immer unter Kontrolle – einem Torgeschenk zum Zwischenzeitlichen 2:1 ausgenommen. Die Stimmung des ungarischen Blocks war auch sehr gut – viel Bewegung, Fahnen und gute Lautstärke. Hier sei auch noch der impulsive Wechselgesang mit dem Rest des Stadions zu erwähnen. Insgesamt ein unterhaltsames Spiel und ein durchaus erfolgreicher Fußballabend.

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Nachdem Spiel ging es wieder zurück nach Wien, da am nächsten Tag bereits um 09:00 mein Flieger nach London abhob. Von London ging es per Bus weiter nach Cardiff, wo ich nach einem langen und anstrengenden Reisetag um ca. 19:00 im Hostel ankam.

Cardiff RFC 24:17 Merthyr RFC (Rugby)
02.09.2017 | Arms Park Cardiff | Ca. 800 Zuschauer (davon ca. 200 aus Merthyr)

Der Arms Park liegt direkt neben dem Millennium Stadium (oder auch Principality Stadium ) und ist die Heimstädte des Cardiffer Ruby-Teams Cardiff RFC in der höchsten Spielklasse. Mein erstes Ruby-Spiel (Ankick – wenn man so sagt - war um 14:30) war die perfekte Matchvorbereitung auf das Österreichspiel am Abend. Ein wirklich sehenswerter Ground bestehend aus 4 komplett unterschiedlichen Tribünen, wobei nur 2 davon geöffnet waren. Hier gibt es alles was das Herz begehrt: Sympathische Fans, Super Kantine mit riesen Bierauswahl, Graffitis und köstliche Burger. Das Ticket kostete 12 Pfund. Hier darf man noch auf der Tribüne sein Bier genießen, einzig zum Rauchen muss man das Stadion verlassen, was aber jederzeit Problemlos möglich ist. Zum Spiel selbst kann ich nicht viel sagen, da ich leider mit den Regeln nicht sehr vertraut bin, außer dass die Heimmannschaft in der zweiten Hälfte das Spiel drehte und das Spiel gewann (übrigens das erste Heimspiel dieser noch jungen Saison). Nach dem Spiel ging es dann gleich nebenan in das Cardiffer Pub-Viertel wo ich mich mit einigen vom Fanklub „Viking Linz“ traf, um sich auf das Österreich-Match vorzubereiten.

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Wales 1:0 Österreich
02.09.2017 | Cardiff City Stadium | 33.200 (davon ca. 800 Österreicher) ausverkauft

Beim Stadion angekommen wurde gerade noch der Punkt von Georgien gegen Irland auf den Stadion-TV’s bejubelt. Das Cardiff City Stadium ist das zweitgrößte Stadion in Wales und auch die Heimstätte von Cardiff City. Zum Spiel selbst werde ich hier keine Worte mehr verlieren. Auch die Stadionkantine verfügte über eine gute Bierauswahl – aber wir üblich auf der Insel durfte das Bier nicht mit auf die Tribüne genommen werden, und musste im Stadion inneren konsumiert werden. Die Stimmung der Österreicher war ganz gut, man hatte einige Durchhänger, aber auch einige sehr gute und laute Phasen. Utensilien wie Trommeln und Megaphon waren leider verboten, was natürlich nicht sonderlich förderlich für die Stimmung war. Auch das Waliser Publikum typisch britisch – so richtig laut wurde es erst nach der Führung.

Direkt nach dem Spiel wurden die Spieler zum Teil von den „Fans“ weggeschickt und mit „unfreundlichen“ Gesten bedacht. Dies kann ich überhaupt nicht nachvollziehen – die Leistung gegen Wales hat ja gepasst. Und eine Spieler (Arnautovic) so zu beschimpfen ist ein no-go, wir gewinnen und verlieren gemeinsam. Ich hoffe diese Zuschauer werden nie wieder bei einem Österreich-Spiel anzutreffen sein, darauf können sowohl die Fans als auch die Mannschaft gerne verzichten.

Positiv hervorzuheben ist noch der gegenseitige Applaus mit den Waliser-Fans nach dem Spiel – man applaudierte sich gegenseitig. Die Waliser bleiben mir auch als sehr freundliches, trinkfreudiges und sympathisches Volk in Erinnerung. Auch die Polizei war gut gelaunt und ließ sich gerne mit Fans fotografieren und setzte dennen sogar deren Kappe auf. Nachher ging es für mich direkt zum Hostel – zu groß war die Enttäuschung – ich hatte keine Lust mehr auf fortgehen.

Anwesend aus Linz (Angaben ohne Gewähr):
Viking-Linz: 4, HFP: 2, seit1908: 1

Fotos findet ihr auf der Website der Hurricanes: http://www.hurricanes-oesterreich.com/index.php/component/phocagallery/category/291

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England 2:1 Slowakei
04.09.2017 | Wembley Stadium | 67.800 (davon ca. 2000 Slowaken)

Von Cardiff ging es per Zug nach London um am Abend endlich auch noch ein Spiel im Wembley Stadion der englischen Nationalmannschaft zu sehen. Per U-Bahn ging es um ca. 18:00 Uhr zum Stadion. Das Ticket gab es für ca. 35 Pfund im General Sale – es hat auch am Spieltag noch genügend Tickets gegeben, da ca. 20.000 Plätze im Stadion leer blieben. Ich freute mich schon lange darauf – endlich mal auf diesen „heiligen“ Platz ein Spiel zu sehen – im Mutterland des Fußballs. Vor dem Spiel führte der Stadionsprecher ein Quiz mit einigen Stadionbesuchern durch, was ich ganz unterhaltsam fand – den fast kein einziger konnte die Fragen beantworten: Zum Beispiel wer jemals der älteste Kapitän in der Nationalmannschaft war (Billy Wright).

Von der Stimmung beim Spiel war ich sehr enttäuscht – das hat sich ja in den letzten 2 Jahren nochmal um einiges verschlechtert – solange ist mein letztes Premier League Spiel her - oder vielleicht liegt es auch am Nationalteam. Da war auch nach der Führung kaum Stimmung – sogar im Heimsektor ist der Großteil der Leute gesessen. Die Stimmung gab eine Band vor (???). Dafür wusste die Slowakei durchaus zu gefallen, diese haben sogar einen Sektor im Unterrang erhalten – obwohl die gesamte Längsseite im Oberrang frei war. Schon alleine das sagt denke ich aus wieviel die FA Wert auf die Stimmung legt. Slowakei mit Fahnen und zumindest einer Trommel – mit durchaus Dauersupport – gut zu vernehmen und auch mit viel Bewegung, einzig nach der Pause gab es einige Minuten einen Durchhänger.

Das Spiel an sich war auf einem hohen Niveau und unterhaltsam. Nach einem Schreck zu beginn, drehte England das Spiel noch zu einem 2:1 und ist damit so gut wie fix für die WM in Russland qualifiziert. Ich möchte hier nochmal auf die Umstände im Stadion hinweisen: Hier wir Kaffee, Popcorn, Smoothes (!!!!), Apfelkuchen und Eis konsumiert. Das Publikum ist wie in England üblich 40+ und kaum sind Emotionen zu vernehmen oder Anfeuerungen zu vernehmen. Auch die Fan-Cam nervt dauernd, hier wird offensichtlich auch sehr viel Wert gelegt auch ja alle ethischen Minderheiten abzudecken. Und in der 80 Minute (beim knappen Spielstand von 2:1) fängt das Stadion an sich zu leeren. Wohlgemerkt wenn England gewinnt ist man so gut wie sicher qualifiziert und könnte so den Erfolg gemeinsam mit der Mannschaft feiern – nicht so der typische England-Zuschauer von heute: In Minute 87 ist das Stadion zur Hälfte leer. Das hat für mich nicht mehr viel mit dem zu tun, was ich als Fußball verstehe und für mich einen Stadionbesuch ausmacht – da kann ich ins Theater oder in die Oper auch gehen. Da ist mir das Waldstadion von mir aus mit 10 Laufbahnen dazwischen noch lieber als was hier abgeht.

Trotzdem war es vor allem das Stadion einen Besuch wert – und wenigstens die Slowakischen Fans sorgten für Stimmung und etwas Atmosphäre! Am nächsten Tag (Dienstag) erfolgte die Heimreise von London Stansted nach Linz. Das Spiel am Dienstag gegen Georgien werde ich leider nicht im Happel sehen – zu groß/frisch ist noch die Enttäuschung und die vergangenen Tage waren durchaus anstrengend und Geldfressend. Alles Gute – und hoffentlich nicht das letzte Spiel von Marcel Koller (zumindest meine bescheidene Meinung dazu)!

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Holzmann Harald

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